In den beiden letzten Jahren sind die Folgen des Klimawandels auch auf den Golfplätzen besonders deutlich geworden.

 

Die Kapriolen des Wetters mit den überdurchschnittlich großen Regenmengen im Sommer, Herbst und Winter 2017 haben die Pflege der Rasenflächen erschwert bzw. teilweise unmöglich gemacht und das Frühjahr und der Sommer 2018 mit der langanhaltenden Hitze- und Dürreperiode stellten das Greenkeeping immer vor neue Herausforderungen.

 

Nässe und Trockenheit bedeuten Stress für den Rasen. Bei zu hoher Feuchtigkeit ist die Gefahr von Pilzerkrankungen überdurchschnittlich hoch, bei fehlender Feuchtigkeit und hohen Temperaturen kämpft die Rasenpflanze um das Überleben.

 

Während man im Jahr 2003 bereits von einem „Jahrhundertsommer“ gesprochen hatte, schlug der diesjährige Sommer scheinbar alle Rekorde. Bereits im Mai wurden Hochsommer-Temperaturen erreicht, die nun bis in den September anhalten bei gleichzeitig ausbleibenden Niederschlagsmengen.

 

Die Rasenpflanze besteht bis zu 90 % aus Wasser, bei einer Temperatur von 20 Grad benötigt ein Quadratmeter Rasenfläche täglich 2 Liter Wasser, um das Defizit auszugleichen, bei 30 Grad 5 Liter/Quadratmeter. Bei gleichzeitig auftretenden Wind erhöht sich der Wasserbedarf.

 

Die in unseren Breitengraden eingesäten Rasensorten werden zu den „cool season grasses“ gerechnet, wobei unterschiedliche Arten auch eine unterschiedliche Hitze- und Trockentoleranz aufweisen. So haben Festuca-Fairways (Rotschwingel) einen nicht unerheblichen Vorteil gegenüber reinen Lolium-Fairways (Deutsches Weidelgras), letztere haben einen viel höheren Wasser- und Nährstoffbedarf als der Rotschwingel (Festuca) und sterben auch eher den Hitzetod, bzw. erholen sich später wesentlich zögerlicher. Dagegen steht die Erkenntnis „Fescue never dies“.

 

Den Hitzetod stirbt die Rasenpflanze oft bei Lufttemperaturen von ca. 40 Grad bzw. Bodentemperaturen um 50 Grad, dann werden überlebenswichtige Proteine in der Pflanze zerstört. 50 Grad und mehr können an heißen Sommertagen schnell erreicht werden, besonders, wenn die Flächen ganztägig der Sonne ausgesetzt sind, hierbei besonders in Hanglagen, die in Richtung Süden ausgerichtet sind. Im Golfclub Hubbelrath wurden bis zu 58 Grad gemessen.

 

Während in normalen Sommermonaten die Rasenflächen unter Bäumen oftmals dünn und farblich blass erscheinen, kann man in diesem Jahr beobachten, dass sie nun ausgesprochen grün sind. Hier wirkt sich der Schatten der Baumkronen positiv auf die Oberflächentemperatur des Bodens aus, es ist dort wesentlich kühler, der Hitzestress für die Pflanze ist geringer.

 

Dem Absterben der Rasenflächen durch extreme Hitze kann punktuell dadurch entgegengewirkt werden, in dem die Greenkeeper auch zur Mittagszeit die Pflanzen und den Boden durch kurze Beregnung abkühlen, dies erfolgt meistens durch Inbetriebnahme der Beregnungsanlage oder händisch durch Schläuche mit darauf montierten großen Brauseköpfen.

 

Dem Beregnungswasser ist dann oft ein Benetzungsmittel („Wetting Agent“) beigemischt, das die Oberflächenspannung des Wassers herabsetzt und damit ein Eindringen des Wassers in die oft hydrophoben Böden erleichtert. Die Wirkungsweise ist hier mit einem Spülmittel im Haushalt gleichzusetzen, das verwendete Produkt ist jedoch wesentlich besser abbaubar als die Tenside beim täglichen Abwasch.

 

Um den Stress der Rasenpflanzen zu minimieren, werden in Hitze- und Trockenperioden außerdem die Schnitthöhen der Mäh-Maschinen, insbesondere bei den Greens und Fairways heraufgesetzt. Die heraufgesetzte Schnitthöhe bei den Greens korreliert natürlich mit einer geringeren Ball-Rollgeschwindigkeit, wenn dadurch aber ein „Überleben“ des Greens gesichert wird, sollte dies durch die Golfer toleriert werden.

 

Je besser die Pflanze mit der benötigten Wassermenge versorgt werden kann, um so gesünder übersteht sie diese Extremwetterlagen. Viele Golfplätze in Deutschland haben keine Fairway-Beregnung. Golfclubs, bei denen diese installiert worden ist, sind meistens durch ihre wasserrechtliche Erlaubnis seitens der Unteren Wasserbehörden in der Grundwasserentnahmemenge reglementiert, wenn die Beregnungsteiche nicht die notwendige Wasserkapazität haben und fortlaufend mit Grundwasser aufgefüllt werden müssen. Bei der dieses Jahr täglich notwendigen Bewässerung zu Tages- und Nachtzeiten konnten die Grundwasserpumpen in den Brunnen, die 24 Stunden am Tag ununterbrochen Wasser förderten, zeitweise nicht die verbrauchte Wassermenge nachliefern, so dass die Bewässerung in vielen Bereichen zurückgefahren werden musste und die Gräser unterversorgt waren.

 

Durch die Entnahme von Grundwasser wird in den Sommermonaten natürlich der Grundwasserspiegel vielerorts abgesenkt. Die natürlichen Herbst- und Winterniederschläge gleichen normalerweise diese Verluste wieder aus. Durch Messungen seitens der Unteren Wasserbehörden wird kontrolliert, ob der Grundwasserspiegel dann das Vorjahresniveau erreicht.

 

Die vermehrt auftretenden Stürme sind natürlich auch eine Folge des Klimawandels, der Baumbestand im Golf Club Hubbelrath und auf vielen anderen Golfplätzen ist in den letzten Jahren nicht unerheblich in Mitleidenschaft gezogen worden.

 

Bei den immer mehr zu erwartenden Wetterveränderungen muss verstärkt dazu übergegangen werden, Rasensorten für die Golf- und Sportplätze zu züchten und auch einzusäen, die weniger stressempfindlich sind, das heißt, in Nässeperioden resistenter gegen Pilzkrankheiten sind und Hitze- und Trockenperioden besser überstehen ohne gleichzeitige Erhöhung der Bewässerung.

Und bei den durch die Landwirtschaft vielfach durch Nitrat belasteten Böden sollte ein weiteres Züchtungsziel sein, Rasenpflanzen mit einem geringeren Nährstoffbedarf zu produzieren.
 

 

Bernhard Voß                    Dr. Gerd W. Thörner

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