Ein von der EGA (European Golf Association) und dem DGV (Deutscher Golf Verband) ausgerichtetes Turnier wie die International European Mid-Amateur Championship vom 04. bis 06.06.2015 auf dem Ostplatz des Golf Club Hubbelrath erfordert von dem Greenkeeping spezielle Vorbereitungen, um den Platz zum richtigen Zeitpunkt in einem hervorragenden Zustand zu präsentieren.

 

Ca. 4 Wochen vor Turnierbeginn erfolgt eine Platzbegehung mit einem Referee des Deutschen Golf Verbandes. Die Ergebnisse werden in einem Protokoll festgehalten und dienten als Leitfaden für die Platzvorbereitungen des Greenkeepings.

 

Das Hauptaugenmerk richtete sich dabei natürlich auf die Greens, die während der Turnierwoche möglichst schnell und treu sein sollen.

 

Ein starkes Wachstum während dieser Zeit ist nicht gewünscht, weil die Spieler, die eine späte Tee-Time haben, die gleichen Spielbedingungen vorfinden sollen wie die morgendlich startenden Teilnehmer.

 

Das bedeutet, dass die letzte Düngung der Greens ca. 4 Wochen vor Turnierbeginn vorgenommen wurde. Die schnelllöslichen Nährstoffe sind dann von den Pflanzen aufgebraucht worden, die einzelne Pflanze hat eine gewisse Festigkeit. Die Farbe der Rasenflächen spielt eine untergeordnete Rolle, deswegen präsentieren sich die meisten Golfplätze zu großen Wettspielen farblich eher hellgrün bis gelblich-braun, dies ist eigentlich auch Ausdruck einer guten Spielqualität.

 

Ebenso gehört ein regelmäßiges Vertikutieren und Topdressen bis ca. 8 Tage vor Turnierbeginn zum Pflichtprogramm der Greenkeeper, um den Greens die erforderliche Härte und Ebenflächigkeit zu verleihen.

 

Zum Beginn der Turnierwoche wird die Schnitthöhe der Greens auf 3 mm abgesenkt (normale Schnitthöhe in der Golfsaison 4 mm).

 

Das Ausbringen von flüssigem Silizium ca. 2 Tage vor Turnierbeginn bewirkt eine zusätzliche Zellfestigkeit und eine damit verbundene Härte der Pflanze, die Spindeln der Mäheinheiten erfassen die Gräser bei dem morgendlichen Mähen besser und das Schnittbild verbessert sich.

 

Der Rollwiderstand des Balles wird reduziert und das Green wird „treuer“. Ein zusätzliches Ausbringen von Benetzungsmitteln zur Reduzierung der Oberflächenspannung des Wassers ermöglicht eine bessere Wasseraufnahme durch die Pflanze, denn die Flächen werden während des Turniers möglichst aus dem nächtlichen Beregnungsprogramm herausgenommen.

 

Die Greens wurden morgendlich doppelt (cross) gemäht (eventuell abends ein drittes Mal!) und anschließend „gebügelt“. Dabei kommt eine spezielle Maschine zum Einsatz, die mit 8 Rollen das Green walzt und dabei die Gräser nach unten legt sowie die Oberfläche ebnet.

 

Die Geschwindigkeit der Greens kann damit nochmals um bis zu 15% gesteigert werden. Im Golf Club Hubbelrath erreichten die Greenkeeper eine mit dem Stimpmeter gemessene Ballrollgeschwindigkeit von 10 feet.

 

Ca. 2 Wochen vor Turnierbeginn werden die Löcher auf den Greens immer an Positionen versetzt, die von der Spielleitung wahrscheinlich nicht als „pin positions“ für die Turniertage gewählt werden. Die Greens werden dann in diesen Bereichen geschont und eine vermehrte Anzahl von alten, versetzten Plugs wird vermieden.

 

Auch die Fairways sollten während des Turniers ein eingeschränktes Wachstum haben, sie werden allabendlich nachdem der letzte Flight das Turnier beendet hat, gemäht. Die Schnitthöhe ist in den Wochen vorher schrittweise von 16 mm auf 14 mm gesenkt worden, täglich werden ebenso die Divots mit einem Sand-Saatgut-Gemisch von Hand verfüllt.

 

In der gleichen Vorgehensweise werden die Tees präpariert, die ebenso täglich wie die Approach-Bereiche und Collars morgendlich an den Turniertagen gemäht werden. Die Abschlagflächen, die während der Turnierwoche benötigt werden, müssen im Vorfeld geschont werden und deshalb werden die Abschlagmarkierungen für das normale Club-Spiel in den vorangehenden Wochen meistens im vorderen Bereich der Tees positioniert oder ganz hinten am Ende der Tee-Box.

 

Die Bunker werden vor dem Turnier auf Ihre Sandstärke kontrolliert und bedarfsweise mit neuem Sand. Damit dieser sich etwas setzten kann und die Oberfläche eine bestimmte Härte hat, sollten diese Vorbereitungen ca. 4 Wochen vor Turnierbeginn abgeschlossen sein.

 

Die Bunker werden während des Turniers täglich geharkt, die unteren Bereiche mit der Maschine, die Ränder mit dem Handrechen nach oben gezogen, damit dort aufkommende Bälle möglichst nach unten in die Bunkersohle rollen und „Steckschüsse“ vermieden werden.

 

Sauber geschnittene Bunkerkanten werten die Qualität des Platzes optisch auf.

 

Ein Golfturnier dieser Größenordnung stellt an das Greenkeeping in der Vorbereitung und während der Turnierwoche besondere Anforderungen, 14- bis 16-Stunden-Tage sind die Regel, bei normaler Wetterlage zwar durch Pausen unterbrochen, bei unvorhersehbaren Wetterkapriolen wie Sturm, Starkregen und Gewitter ist Improvisationstalent und Durchhaltevermögen gefragt.

 

Die Turnierwoche bedeutet aber nicht nur Stress für die Mitarbeiter, sondern auch für die Graspflanzen, deren Pflege für diesen Zeitraum sehr intensiviert und sofort nach dem Finaltag wieder in den Standard-Pflege zurückgefahren wird.

 

Trotzdem ist es immer wieder eine Herausforderung und ein Ansporn für alle beteiligten Mitarbeiter, über die normale tägliche Platzpflege hinaus ein- oder zweimal jährlich die Pflege zu optimieren und zu intensivieren um bestmögliche Spielbedingungen zu schaffen.

 

Ein positives Feedback der Spieler und auch der Zuschauer ist der Anreiz für das nächste Event.

 

Bernhard Voß               Dr. Gerd W. Thörner

 

 

X

Newsletter Anmeldung
Bitte geben Sie Ihren Namen und eine gültige E-Mail Adresse ein.


Newsletter Abmeldung
Bitte geben Sie zur Abmeldung Ihre E-Mail Adresse ein.