Die zweite Jahreshälfte 2010 bescherte uns in Hubbelrath ein unvergessliches Ereignis der ganz besonderen Art, das wir Ihnen nicht vorenthalten möchten.

Bisher war die Blauracke von Padberg (Hochsauerlandkreis) die letzte Sichtung dieser Art in NRW und die Veröffentlichung von W. Schubert dazu endet mit den Worten: „Die Padberger Blauracke vom Juni 1996 ist bis heute die bisher letzte in Nordrhein-Westfalen geblieben. Es wird daher allerhöchste Zeit, dass mal wieder die Nachricht von einem dieser hellblauen Vögel irgendwo in NRW die Runde macht. Sie würde für viel Aufregung unter den Beobachtern sorgen…“

Und das tat sie. Am 24. Juli 2010 entdeckte Prof. Dr. Rohrbacher eine Blauracke in Hubbelrath in der Nähe des Dorper Hofes, wo sie auf einer Niederspannungsleitung unmittelbar über dem Fahrweg saß. Fast hätte diese unverhoffte Begegnung auf dem schmalen Weg zu unkontrollierter Vollbremsung und Blechschaden geführt …

Perfekt war die Sensation dann zwei Wochen später: Wieder saß die Racke an derselben Stelle! Was zunächst als Zufallsbegegnung mit einer durchziehenden Seltenheit erschienen war, entpuppte sich nun als die Entdeckung eines länger am selben Ort verweilenden Gastes. Blauracken sind außerordentlich ortstreu, und so ließ sich auch dieser Vogel in den folgenden zehn Tagen immer wieder zuverlässig an exakt derselben Stelle bei der Nahrungssuche beobachten.

Obgleich nur wenige vom Fund des Vogels informiert waren, fanden sich bald mehrere Personen, die regelmäßig nach der Racke schauten. Es ist ein unvergessliches Erlebnis, dieses uns so exotisch anmutende, farbenprächtige Tier zu beobachten, wie es bei seinen akrobatischen Jagdflügen von der Telegrafenleitung, mit einer Heuschrecke oder Maus im Schnabel, an den Ausgangspunkt zurückkehrt.

Die Sichtung war auch für die Vogelwarte Helgoland von Interesse, und einem offiziellen Vogelfänger gelang der Fang des Tieres, so dass es wissenschaftlich untersucht und beringt werden konnte. Somit besteht die Chance, das der Vogel eines Tages wieder gefunden wird und Details über seine Herkunft preisgibt.

Blauracken waren in der Vergangenheit für den Großteil der ländlichen Bevölkerung in Nordrhein-Westfalen sicher nicht so exotisch, wie heutzutage. Die Art war vor 1900 bei uns noch recht weit verbreitet. Allerdings haben sie vielleicht in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts zum letzten Mal in NRW im Raum Ibbenbüren gebrütet. Danach wurden nur noch wenige „Jagdtrophäen“ bekannt. Die bisher letzten in NRW geschossenen Blauracken waren (nach Schubert):

  • eine am 25. Mai 1955 nahe der Ems-Quelle bei Paderborn
  • eine Ende Juli 1960 in der Gelderner Heide (Kreis Kleve)
  • eine am 24. Juni 1962 bei Wipperfürth-Hämmern (Oberbergischer Kreis)
  • eine am 28.Mai1969 in der Gemarkung Lützel (Kreis Siegen)


Seit 1980 hat es in Nordrhein-Westfalen nur noch wenige anerkannte Beobachtungen von Blauracken gegeben:

  • am 2. Juni 1980 eine in Heiligenhaus-Tüschen (Kreis Mettmann)
  • eine adulte vom 7. bis 9. August 1983 bei West-Hilbeck südlich von Hamm
  • eine am 9.6.1991 in der Wahner Heide (Rhein-Sieg-Kreis)

Somit war die Padberger Blauracke vom Juni 1996 die bisher letzte in Nordrhein-Westfalen gesichtete. Die Beobachtung einer Blauracke in Hubbelrath im Jahr 2010, noch dazu über einen Zeitraum von über drei Wochen, gehört zu den großen Ausnahmeerscheinungen von Vogelbeobachtungen in unserem Land. Wir hatten das seltene Glück, den schönen Vogel beobachten zu dürfen.

Dr. Gerd W. Thörner, Prof. Dr. Stefan Rohrbacher und Dipl.-Geogr. Tobias Krause

Weiterer Internetverweis: Vogel des Monats 02/2010, Die Blauracke von Padberg, von Werner Schubert

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